#Lockdown

Liebes Tagebuch,

Es hat drei Tage geschneit. Ich wollte einen Tweet schreiben: „Endlich wird der Schnee mal weggeräumt. Wie verhält man sich da, stellt man sich daneben und klatscht?“

Aber dann dachte ich an die armen Menschen die im wie heißt das Krankheitssektor, Gesundheitssektor, na die Krankenschwestern und -brüder, die Pflegepersonen, die im ersten Lockdown den Applaus bekommen haben und sonst nichts. Deshalb hab ich mich auch nicht mehr getraut zu klatschen, weil dann wären die vielleicht betröppelt.

Vorher wollte ich einen anderen Tweet schreiben 

„Stellt sich die Schneebrigade tot oder wie erklärt sich, dass der Schnee nicht weggeräumt wird? Budget verbraucht? Alle im Homeoffice? Oder“

Den hab ich sogar noch im Entwürfeordner. Bei dem „Oder“ hab ich angefangen, über Verschwörungstheorien nachzudenken. Vielleicht ist das ja ein Regierungsprogramm, geheim natürlich und von Gates finanziert. „Lasst den Schnee liegen, dann bleiben sie drin.“

Sie hatten sich natürlich lange über den Titel gestritten, er ist halt nicht so sophisticated. Aber die PR-Agentur von Bill Gates konnte sich schließlich durchsetzen.

Übrigens sind die mit dem Schneeschieben jetzt fertig. Von der Haustür bis zum Gehweg ist jetzt frei. Jetzt ist der Staat dran. Oder die Stadt. Kommt drauf an, wen man fragt. Aber diesen Winter fragen wir nicht mehr. Wir denken auch nicht mehr. Macht keinen Sinn. Sonst hätten wir vielleicht noch Lust, was zu sagen. Und das ist zwischen den Extremen nicht mehr lustig.

#Lockdown

Liebe Freundin,

Blumen kaufe ich gerade im Supermarkt. Hat die Ästhetik von Klopapier. Klopapier ist nützlich. Klopapier war der Hamsterburner im letzten Lockdown. Zusammen mit Hefe und Mehl. 

In diesem gibt es Klopapier. Dafür keine Eiern mehr beim Bauern. Die Leute schleppen wohl 8 bis 10 Packungen raus. Manchmal stell ich mir vor, wie die deutsche Mutti Eierlikör kochend in der Küche steht, während die Kinder sich mit dem Klopapier vom letzten Jahr mumifizieren. Alle lachen und sind fröhlich. Skurrile Phantasie. It’s about the small things.

Ich glaub, ich koch dann auch mal Eierlikör, is ja bald Ostern. Gehe gleich mal in den Supermarkt, der macht in einer halben Stunde auf. Die letzten Tulpen sind auch schon tot. Yay, aufregend. Neue Blumen kaufen.

Fernlust im Literaturautomat

Von Juli bis September ist "Fernlust" im Literaturautomat. Und hier findet ihr sie:

// Düsseldorf: 
Zakk
Zoopavillion
Junges Schauspiel
// Köln: 
Alte Feuerwache
// Monheim:
Ulla-Hahn-Haus
// Krefeld:
Werkhaus
// Regensburg:
Kultuer

Nachdenken über Gerechtigkeit

Fragst du ein Kind,
wird es dir vielleicht
erzählen,
dass man Kekse
gerecht teilt. Wenn man
zwei hat,
und zwei Kinder,
bekommt jedes
einen.

Aber was, 
wenn man zwei Kinder
und einen Keks hat?
Oder 4 Kekse und 5 Kinder?
Oder 2 Kekse und 3 Kinder?
Ich meine die ganz harten,
krümeligen Kekse,
die, die in tausend Teile zerfallen,
wenn man 
sie bricht.

Was ist dann gerecht?

Unbenannt

Die dunklen Kammern in deinem Gehirn,
die schwarzen Flecken auf deinem Herzen,
sie sind da,
gut verborgen,
und brechen doch auf,
unter dem Mond,
wenn die Geräusche um dich herum zur Ruhe kommen.

.

Gier
legt sich wie 
ein Schleier auf alles,
was du tust.

Neid macht dich
hässlich.

Angst tötet alle Farben
in dir.

Zur Hölle mit den Tugenden und
Regeln um der Regeln willen.

Sei einfach Liebe.

.

Die Welt hat
alle Facetten. 
Sie alle dürfen beleuchtet werden.
Deshalb wird es nicht nur
Schönes geben.
Kehre um, Wanderer,
wenn du nur Lächeln und
Honig willst.
Diese Frucht ist auch bitter.
Aber sie ist vor allem 
bunt
und alle Farben Teil
von hier.

Liebe

Wie schön ist der Gedanke,
wenn du gehst, Liebe,
dich zu bitten,
die Tür offen zu lassen.
Auch wenn ich gerade 
nicht atmen kann,
auch wenn ich zum Umfallen 
traurig bin,
auch wenn ich nie wieder 
lieben will, weil es so
wehtut.
Tür, bleib offen.
Für den Rest meines Lebens.
Und du, Liebe,
sei willkommen,
wenn du magst und kannst.
Und lass mich trotz allem 
nie vergessen,
dass du unser Bestes
bist.

Skandinavien aber beginnt in Pankow.

Gleich hinter den Häuserecken, dem schmiedeeisernen Tor, hinter den Fenstern der Buchhandlung, Souterrain, dann links. Durch die endlose Steppe, Birkensummen. Wo die riesigen Mondrakten schlafen, rostend, halb verfallen. Hinter diesem Baum ein Kuss, dort vergruben wir uns, ineinander, im Sommerlicht. Fasane stieben auf, wir satteln die Räder, nach Norden.

Als der Sommer demontiert wird, die Kulisse abgebaut, jemand trägt ein Bündel Sonnenlicht fort, färbt das Meer sich grau.
Eine Segelyacht stehlen, Leinen los. Auf Höhe Bornholm treffen wir John von Düffel, im Wasser, gestreifte Badekappe, kurzer Dialog vom Deck herab, er schwimmt heute noch nach Helsinki. Abends entzünden wir ein Lagerfeuer und dann, aneinander, uns.

Am Nordkap sammeln wir die Mitternachtssonne ein. In Flaschen abgefüllt, nach ganz Europa, Direktvertrieb. Du blickst Horizonte. Ein Schweigen schleicht sich ein. Abends sinken wir in traumlosen Schlaf. Draußen die Brandung, als wäre noch etwas ungesagt, die schwarzen Wasser reichen bis in die Nacht.

(Gastbeitrag von Michael Held, den ich auf Twitter und Instagram treffen durfte: 
@barcelonalien.)

.

und du spürst
heiße sommerluft
das sonnenlicht tanzt


im seenspiegel
deiner haut
am abend

gehen wir
auf reisen
den linien entlang


finden unterschlupf
unerwartet, für
die erste kühle nacht

und kommt
der winter
verkriechen wir

uns ins unterholz
warm, unauffindbar
ineinander.

(Gastbeitrag von Michael Held, den ich auf Twitter und Instagram treffen durfte: 
@barcelonalien.)
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