Lockdownlyrik (5)

Ein Zimmer.
Wecker 6.05 Uhr.
Meditieren, aufstehen, Kaffee,
Frühstück.
„Bist du müde?“
Dusche.
Vorher vielleicht Sport
oder raus, walken.
Dann mit Sicherheit 
Dusche.
Dann Zimmer.
Umziehen.
Küche, Tee.
Ein Zimmer. Arbeiten.
Küche, Tee, Bad.
Ein Zimmer.
Küche. Mittag.
30 Minuten freier Himmel.
Zurück in ein Zimmer.
Bad. Küche, Tee.
Ein Zimmer.
Küche.
Feierabend.
„Was essen wir heute 
zum Abendbrot?“
Küche. Essen.
Ein Zimmer telefonieren.
Küche. Bad.
Ein Zimmer. Ein Film.
Bad.
Ein Zimmer schlafen.
Winter 21.

Lockdownlyrik (4)

Ich will keine Verantwortung
mehr.
Ich will nicht mehr noch
ein bisschen
aushalten und
abwarten und
diszipliniert sein.
Ich will 
jetzt
sofort
in einen Laden, ohne zu sagen,
wer ich bin und 
wo ich wohne.
Ich möchte langsam oder
schnell dorthin laufen,
ganz wie es mir gefällt und 
ohne Nachdenken, ob ich 
pünktlich zu meinem 
15-Minuten-Slot komme.
Ich will.
Und tue es doch nicht.

Lockdownlyrik (2)

Wir haben uns einen
Moment gestohlen.
Aus Interpretationen Raum
geschaffen, was wir dürfen
und genießen das 
Jetzt.
Aber ein Schuldgefühl
hockt zwischen jeder
Minute und bohrt -

muss das wirklich sein?
Ja.
Muss es.
Wir brauchen das jetzt,
sonst leben wir ja gar nicht mehr.

Lockdownlyrik (1)

Wir halten den Atem an,
miteinander isoliert,
entfernt allein.
Kein Alltag mehr
oder
noch nicht wieder.
Wir reden noch von Normal
und dass es zurückkommt.
Aber immer öfter der Verdacht,
dass wir davon nur träumen.
Wir hoffen viel und
seufzen zwischen den Sätzen,
versuchen Freude und
Optimismus,
finden kleine Nischen
und doch hängt eine 
Wolke über uns,
die manchmal ausbricht und
uns in Verzweiflung
badet.

Die kleinen Dinge werden
größer,
die Gespräche, die 
wir noch führen dürfen,
die Blumen des Frühlings,
	egal wie klein.
Sonnenstrahlen.

Nichts ist 
mehr gesetzt.

Wir wandeln uns und
gestehen es uns noch
nicht ein.