Ich habe vielleicht nicht ständig einen langen Atem. Aber ich habe immer das Feuer des Moments, den Stum des Herzens und die Sehnsucht nach allem-
Schlagwort: lyrik
Lockdownlyrik (2)
Ein Zimmer. Wecker 6.05 Uhr. Meditieren, aufstehen, Kaffee, Frühstück. „Bist du müde?“ Dusche. Vorher vielleicht Sport oder raus, walken. Dann mit Sicherheit Dusche. Dann Zimmer. Umziehen. Küche, Tee. Ein Zimmer. Arbeiten. Küche, Tee, Bad. Ein Zimmer. Küche. Mittag. 30 Minuten freier Himmel. Zurück in ein Zimmer. Bad. Küche, Tee. Ein Zimmer. Küche. Feierabend. „Was essen wir heute zum Abendbrot?“ Küche. Essen. Ein Zimmer telefonieren. Küche. Bad. Ein Zimmer. Ein Film. Bad. Ein Zimmer schlafen. Winter 21.
Lockdownlyrik (1)
Wir halten den Atem an, miteinander isoliert, entfernt allein. Kein Alltag mehr oder noch nicht wieder. Wir reden noch von Normal und dass es zurückkommt. Aber immer öfter der Verdacht, dass wir davon nur träumen. Wir hoffen viel und seufzen zwischen den Sätzen, versuchen Freude und Optimismus, finden kleine Nischen und doch hängt eine Wolke über uns, die manchmal ausbricht und uns in Verzweiflung badet. Die kleinen Dinge werden größer, die Gespräche, die wir noch führen dürfen, die Blumen des Frühlings, egal wie klein. Sonnenstrahlen. Nichts ist mehr gesetzt. Wir wandeln uns und gestehen es uns noch nicht ein.
.
Früher hab ich mir das Erwachsensein irgendwie weniger müde vorgestellt.
.
Du hast mich gefragt, was ich dich schon immer fragen wollte und plötzlich kann ich an nichts anderes denken als Wie wohl deine Lippen schmecken. Aber unsere Freundschaft ist mir zu wichtig. Ich lächle also nur.
Deine Monsters.
Die Monster unter
deinem Bett leben
jetzt in deinem
Kopf.
Klopfen bei der Vergangenheit
an.
Hei, na?
Aber die will nicht
flirten,
nicht reden,
nicht mal mehr sein.
Nur Aufmerksamkeit.
Deine Vergangenheit ist eine Diva.
unbenannt.
Ich habe vielleicht nicht
immer einen langen
Atem.
Aber ich habe immer
das Feuer des Moments,
den Sturm des Herzens
und die Sehnsucht
nach Allem.
unbenannt.
Ich wollte nie funktionieren.
Bis ich es nicht mehr
konnte.
Und jetzt frage ich mich,
wann ich endlich
wieder
funktioniere.
Heimat
Zuhause, Platz zur Rückkehr, Ausgangspunkt für alle Abenteuer. Hier liebe und lebe ich, es ist, was gerade wichtig ist, was dran ist. Zuhause, mein Pol, mein Nest als Schutz vor und nach dem Sturm. Zuhause, du und die Herzen in meiner Nähe. Zuhause, der Bäcker um die Ecke, das vertraute Guten Tag und Lächeln, das kleine Weißbrot, die Bettlerin an der Ecke, das Kind mit dem Eis und der Sonnenstrahl auf Erdbeeren bei der Bude. Zuhause, ein Gefühl, ein Zustand, ein Sein, ein Bleiben.
Wenn ich Menschen nicht mag
Wenn Menschen,
die ich kenne,
auf der Straße wegschauen,
weil sie gerade keine Lust haben, mich zu grüßen …
Wenn Menschen,
die ich kenne,
mich ignorieren,
weil ich gerade nicht nützlich bin …
Wenn zu offensichtlich ist,
dass man gerade nur mit mir spricht,
weil ich nützlich bin …
Wenn ein einzelner Mensch nichts zählt …
ein Leben egal ist …
Wenn die Lügen und Heucheleien überborden …
… dann mag ich Menschen nicht.
Und wenn ich Menschen nicht mag …
… dann will ich …
… schreien,
… davonlaufen,
… alleine sein,
… das nie mehr ertragen müssen,
… noch alleiner sein, als ich es gerade schon bin …
… dann sehne ich mich nach …
… Wald,
… Wiesen,
… Wind auf der Haut,
… durchatmen,
… Sonne die von meiner Haut
bis zu meinem Kern vordringt und mich wärmt,
… Himmel der die Sehnsucht aufsaugt,
… Wolken, die mich mit sich ziehen und wegbringen.
… und ich sehne mich auch eigentlich …
… nach Armen,
… die mich festhalten,
bis sie sich wieder gut anfühlt, diese Welt.
Doch sie fehlen,
Diese Arme, die Geborgenheit
und so reißt diese Welt immer
tiefer und tiefer in meine Haut,
hinterlässt Narben,
die sich nicht mehr mit kurzen Affären wegstreicheln
und belanglosen Momenten wegfeiern
lassen.
Und auf der Hoffnung wächst Moos,
der Wind singt traurig dazu,
der Regen wäscht die Tränen weg,
in einem Boot treibe ich auf dem Wasser dahin,
das mich vergessen lassen soll.
Dann glaube ich an die Natur statt Menschen
und das Wachsen und Werden und das Alleine leben.
Ich alleine da draußen im Wald und auf der Wiese.
Ein Märchen was heilt, Alles, Jeden.
Ich muss nur hinausziehen und sie finden.
Den Wald und die Wiese.
Doch die Welt ist klein geworden.
Und voll.
Der Wald ist nicht still und leer.
Sie sind überall.
Wir begegnen uns kritisch und
erkennen uns doch an den Augen.
Finden uns im Lachen und in den Geschichten,
Die wir uns abends am Lagerfeuer erzählen.
Die Erde musste sich nur weiterdrehen
und ich weit weg sein
im Wir mit den anderen,
die dort umherziehen, da draußen.
Wir finden uns im Reisen, Suchen,
uns selbst und einander,
wir finden uns im wieder
Träumen und mehr Träumen
und mehr glauben.
Lebensgefühl.
Wir.
Und das Naturreisen.
Unsere Drogen.