Langsam wird es ernst

Gestern kam Post.

Ich wusste, was darin war. Deshalb habe ich sie nicht sofort aufgemacht. Ich habe erst noch ein bisschen aufgeräumt. Einen Tee gemacht. Mich hingesetzt. Große Momente brauchen Feierlichkeit.

Und dann hatte ich Danach in der Hand.

Das ist ein seltsamer Moment mit einem Buch. Auf dem Bildschirm kann man noch so tun, als wäre alles vorläufig. Man kann Wörter verschieben, Seiten verändern, noch einmal über eine Formulierung nachdenken. Ein Buch in der Hand ist plötzlich ein Gegenstand.

Es ist da.

Bei Danach kommt noch etwas anderes dazu. Die Texte darin sind nicht neu. Ich habe sie vor einigen Jahren geschrieben und veröffentlicht. Jetzt habe ich sie wieder hervorgeholt, gelesen, neu angesehen und mich gefragt, ob ich sie noch einmal in die Welt schicken möchte.

Das war weniger selbstverständlich, als ich gedacht hatte.

Denn alte Texte sind merkwürdige Zeitkapseln. Man begegnet darin nicht nur dem, was man einmal geschrieben hat. Man begegnet auch der Person, die es geschrieben hat.

Manches würde ich heute anders formulieren. Manches vielleicht gar nicht mehr schreiben. Und bei manchen Stellen dachte ich: Ja. Genau das. Immer noch.

Am Ende war die Frage deshalb nicht, ob ich heute noch einmal dasselbe Buch schreiben würde.

Natürlich nicht.

Die Frage war, ob ich noch hinter diesen Texten stehen kann. Ob sie etwas enthalten, das ich weiterhin in die Welt geben möchte. Die Antwort war: ja. Also bekommt Danach noch einmal ein neues Leben.

Und mit diesem Buch fange auch ich wieder mit etwas an, das mir unendlich am Herzen liegt: Bücher machen.

Nicht nur schreiben. Bücher machen.

Darüber nachdenken, wie Text und Papier zusammengehören. Wie ein Buch sich anfühlen soll. Wie es aussieht. Welches Bild auf seinem Umschlag die Tür zu dem öffnet, was darin wartet.

Das Bild auf Danach habe ich selbst aufgenommen. Auf Island.

Diese Reise und ich hatten ein etwas kompliziertes Verhältnis zueinander. Aber irgendwann stand ich dort, sah diese Landschaft und machte ein Foto. Jahre später ist genau dieses Bild auf meinem Buch.

Dass es dort gelandet ist, war keine nostalgische Entscheidung. Ich habe ziemlich lange nach dem richtigen Bild gesucht. Und irgendwann war da dieses: Weite, Bewegung, etwas Raues. Ein Ort, an dem man gleichzeitig sehr weit sein und sehr bei sich sein kann. Es passte.

Inzwischen ist daraus sogar etwas entstanden, das ich anfangs gar nicht geplant hatte: Auch für meine nächsten Bücher arbeite ich mit Fotografien, die ich selbst gemacht habe. Warum, erzähle ich ein anderes Mal.

So wie ich noch erzählen möchte, was hinter einer der Fragen steckt, die Danach durchzieht: Wie viel Menschlichkeit braucht es?

Aber heute liegt das Buch erst einmal hier. Noch ist es ein Probedruck. Ich werde hineinsehen, Dinge finden, Dinge ändern und vermutlich mindestens einmal behaupten, jetzt sei aber wirklich alles fertig.

Bücher haben dazu ihre eigene Meinung.

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