Es wäre vermutlich verdächtig gewesen, wenn ausgerechnet dieses Buch einfach genauso geblieben wäre.
WACHSEN handelt von Veränderung. Vom Suchen, Ausprobieren, Hadern, Weitergehen. Von der Frage, wer man ist, wie man leben möchte und was passiert, wenn die Antworten darauf nicht für immer dieselben bleiben.
Und dann lagen da Texte, die ich vor Jahren geschrieben hatte. Bei DANACH war meine große Frage gewesen: Will ich diese Texte überhaupt noch einmal veröffentlichen? Bei WACHSEN war das anders.
Ich wusste, dass ich dieses Buch wieder veröffentlichen möchte.
Die Frage war eher: Was davon gehört heute noch hinein? Denn auch Texte haben eine Entstehungszeit. Manchmal merkt man das kaum. Manchmal steht plötzlich ein Lockdown mitten im Buch. Ich habe während dieser Zeit geschrieben. Natürlich habe ich das. Es gab schließlich nicht besonders viele Orte, an die man stattdessen hätte gehen können.
Einige dieser Texte gehörten für mich weiterhin zu WACHSEN. Aber ich wollte sie nicht einfach als kleine Zeitkapsel stehen lassen. Mich interessierte inzwischen weniger der konkrete Ausnahmezustand als das, was darin sichtbar geworden war. Was passiert mit uns, wenn Räume plötzlich kein Außen mehr haben? Wenn der eigene Radius kleiner wird? Wenn Rückzug nicht mehr nur freiwillig ist? Wenn sich verändert, was wir unter Freiheit, Nähe oder einem eigenen Ort verstehen? Aus der Lockdown-Nöhre wurden Räume ohne Außen.
Und an anderen Stellen habe ich ebenfalls stärker eingegriffen als bei DANACH. Texte verändert, neu betrachtet, Entscheidungen getroffen, die ich bei einer bloßen Wiederveröffentlichung nicht hätte treffen müssen. Vielleicht passt das zu diesem Buch. Denn Wachsen ist für mich keine besonders geradlinige Angelegenheit.
Es ist nicht: Erkenntnis haben, Entscheidung treffen, neuer Mensch sein.
Schade eigentlich. Wäre organisatorisch deutlich angenehmer. Meistens ist es unübersichtlicher. Man geht los. Bleibt stehen. Ändert die Richtung. Entdeckt etwas, von dem man dachte, man hätte es längst verstanden. Manchmal kommt man an einem Punkt vorbei, an dem man schon einmal war, und sieht ihn trotzdem anders.
Genau davon erzählen diese Texte. Von Fernlust und Geborgenheit. Von Angst und Hoffnung. Vom eigenen Platz und davon, ihn nicht immer zu kennen. Von Wegen, Entscheidungen, Veränderungen und der merkwürdigen Erfahrung, dass man gleichzeitig derselbe Mensch bleiben und ein anderer werden kann.
Das Buch hieß einmal Wege und Steine. Ich mag diesen alten Titel noch immer. Aber irgendwann war WACHSEN richtiger. Vielleicht weil Wege und Steine beschreiben, was einem begegnet. Das Wort Wachsen beschreibt, was dabei mit einem passiert.
Und jetzt ist auch dieses Buch wieder da. Nicht genauso wie früher. Das wäre bei diesem Titel wirklich ein bisschen peinlich gewesen.

Und wenn ihr wissen möchtet, wie es weitergeht: Ein Buch fehlt noch. Als Nächstes kommt LIEBEN.